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Literatur aus dem Norden im „Pankebuch“

Mit einem Klick das Buch in den Warenkorb gelegt, mit dem zweiten – bestellt! Wie steht es jedoch mit dem Blättern in mehreren Büchern, bevor man sich für eins (vielleicht auch zwei oder drei) entscheidet? Und dieser Duft von Papier… Braucht man das nicht mehr? Wir finden: Doch, dass braucht man! Unsere Favoriten fürs Bücher-Shopping sind die kleinen und gemütlichen Buchläden aus der Nachbarschaft. Denn so unterstützt man nicht nur den lokalen Handel, sondern auch die lokale Kultur. Warum das so ist, hat das Wir von Hier Team im Gespräch mit Katrin Mirtschink vom Buchladen Pankebuch erfahren.

Bücher aus dem Norden in Pankow

Hallo Katrin, erzähl’ uns über Pankebuch. Wie hat alles angefangen und was ist die Idee hinter Pankebuch?

Die Buchhandlung habe ich im Oktober 2011 als Quereinsteigerin eröffnet. Ich habe mal Kulturwissenschaften studiert, in der Medienbeobachtung gearbeitet, auch in der kommunalen Kulturarbeit. Ich kannte Berlin ganz gut, ganz speziell die Ecke Prenzlauer Berg-Pankow, komme aber eigentlich aus Mecklenburg-Vorpommern, also aus Norddeutschland.

Die Liebe zur Literatur aus den nordischen Ländern hat mich dazu bewogen, diesen inhaltlichen Schwerpunkt zu setzen. Das war ein Test: Geht das Konzept auf? Und ganz schnell habe ich die Leute damit erreicht. Das war zudem das Jahr 2011, in dem Island auf der Frankfurter Buchmesse Gastland war, und so eine enorme Aufmerksamkeit für diese Literatur entstanden ist und seitdem auf ziemlich hohem Niveau geblieben ist. Sehr viel von der isländischen Literatur wird auch nach wie vor ins Deutsche übersetzt.

Schon bald entstand auch eine gute Zusammenarbeit mit den Nordischen Botschaften aus den ersten spontanen und unkomplizierten Treffen. So wie ich es bisher auch aus dem Norden oder mit Skandinavien erlebt habe, war das auch mit den Botschaften: Man konnte sich sehr schnell und unkompliziert verständigen und auch was gemeinsam machen.

Sie haben sich einfach gefreut, dass es hier einen weiteren Ort geben wird, der ihre Literatur vermittelt. Inzwischen sind wir schon seit mehreren Jahren die Partnerbuchhandlung der Nordischen Botschaften. Das heißt, wir sind dort mit unseren Büchertischen präsent. Neulich waren wir auch bei einem großen Bücherfest mit dabei.

Das ist ja die Idee, die hinter Pankebuch steckt. Und inzwischen sind wir, glaube ich, sagen zu können, die erste Adresse für die Literatur aus den nordischen Ländern. Wozu wir übrigens auch baltische Länder zählen.

Katrin in ihrer Buchhandlung „Pankebuch“ © Wir von Hier

Pankebuch liegt im Norden von Berlin und euer Slogan heißt „Die schönsten Bücher aus dem Norden“. Ist das ein Wortspiel mit zwei Begriffen des Nordens?

So erzählen wir das. Wenn ich jetzt „wir“ sage, meine ich dann immer mich und auch meine Kollegin Petra Wenzel, die sich dann vor allem um Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und Kontaktpflege kümmert. Wir sind inzwischen zu zweit.

Buchläden aus der Nachbarschaft auf Wir von Hier entdecken.

Euer Laden befindet sich in Pankow. Könnte man sich den Laden auch in einem anderen Bezirk vorstellen?

Natürlich würde das auch funktionieren, aber dann hätte die Buchhandlung nicht diesen Namen. Das hat damit zu tun, dass wir hier gleich an der Panke sind. Es hat schon manchmal ein bisschen Irritationen gegeben, weil man im Gespräch mitkriegte, die Leute dachten, es sind nur Bücher über Pankow. Aber ich würde sagen, wir sind inzwischen sowas wie eine Marke.

Auch in diesem Jahr wurden wir zum zweiten Mal mit dem Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Das ist eine Würdigung für die Arbeit, die wir machen, wir sehen uns auch vor allem als Literaturvermittler. Es gibt eine enge Kooperation mit der benachbarten Grundschule hier in der Wollankstraße. Jetzt im zweiten Jahr, einmal im Monat, geht jemand von uns oder aus unserem erweiterten Freundeskreis in die Schule und liest dort mehrere Schulstunden vor, dabei steht immer ein Land im Mittelpunkt.

Morgen [Wir von Hier: an einem Novembertag] ist dieser Tag wieder, dann ist Island dran. Es ist immer ganz schön zu erleben, wenn die Kinder am Nachmittag mit Eltern oder Großeltern kommen und gern wissen wollen, wie es mit Geschichten weitergeht, die angefangen wurden. Es geht uns darum, die Kinder zu erreichen, die jetzt nicht unbedingt mit Eltern in eine Buchhandlung gehen und die das nicht von zu Hause kennen.

Bücher kaufen: Online oder Offline?

Warum ist es wichtig, Bücher in einem lokalen Buchladen in der Nähe zu kaufen und nicht online?

Im Laden habe ich die Möglichkeit auszuwählen. Einfach mal reinzugucken, zu blättern. Gerade bei den meistens sehr schön gestalteten Kinderbüchern. Sie leben ja auch von den Illustrationen, vom Material. Im Buch zu blättern ist ja auch eine sinnliche Erfahrung, man nehme zum Beispiel den Geruch. Jeden Morgen, wenn man in die Buchhandlung kommt, empfängt einen dieser spezielle Geruch, den die Bücher und Papier haben. Man kann über Bücher ins Gespräch kommen. Und wer vielleicht ein bisschen zögerlich hier reinkommt, nicht so richtig weiß, wonach er gucken soll, oder was er möchte, der findet dann gemeinsam mit uns etwas.

Einfach mal ins Buch reingucken und blättern – das kann man ganz wohl im Pankebuch machen! © Wir von Hier

Zwar haben wir diesen Schwerpunkt mit der Literatur des Nordens, und er zieht sich eben durch alle Altersgruppen, aber wir sind natürlich auch im Bilde, was an der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur oder eben international neu erscheint.

Ein ganz starkes Argument, das haben wir eben in Deutschland, ist die Buchpreisbindung, die gesetzlich in Deutschland verankert ist. Für die Buchhändler und auch für die unabhängigen Kleinverlage ist es essenziell, dass die Bücher in jedem Geschäft denselben Preis haben.

Bei der Bestellung über das Internet kann die Zustellung möglicherweise sogar umständlicher sein. Man ist nicht zu Hause, dann wird’s abgegeben, wieder zurückgefahren… Wer zum Beispiel gern online bestellt, kann das auch bei uns tun, die Bestellung kommt dann mit unserer üblichen normalen Lieferung am nächsten Tag in den Laden.

Man verbindet diese praktische Online-Bestellmöglichkeit mit der Unterstützung eines lokalen Geschäfts. Das Buch bleibt dann bei uns, auch wenn ich zum Beispiel erst zwei Tage später die Zeit habe, es abzuholen. Und nicht unwichtig ist auch der ökologische Gedanke dahinter, finde ich. Das Buch muss nicht nochmal extra verpackt sein und kommt zusammen mit der großen Bestellung. Aus meiner Sicht ist das eigentlich die optimalste Form, und das wird von immer mehr Leuten genutzt. Mit dem Effekt eben, wenn man in die Buchhandlung kommt, das bestellte Buch abholt, oft noch eine Anregung kriegt, beispielsweise eine andere Geschenkidee.

Was denkst du, kann ein E-Book das Printbuch komplett ersetzen?

Auf keinen Fall, es gab natürlich in den letzten Jahren ein Wachstum auf diesem Markt, da sich die Reader wirklich verbessert haben. Sie sind mittlerweile in verschiedenen Lichtsituationen komfortabler und besser in der Akkuleistung geworden. Aber das pendelt sich so auf einem gewissen Niveau ein, das sind nicht mal 10 % des gesamten Buchumsatzes in Deutschland. Und ich glaube, das wird natürlich weiter so parallel laufen. Die E-Books sind für bestimmte Zwecke praktisch. Für Leute, die sehr viel reisen zum Beispiel, oder auch für fremdsprachige Literatur. Die englischsprachigen E-Books sind oft auch wesentlich preiswerter als die gedruckten Bücher. In Deutschland ist die Preisspanne nicht so groß.

Für mein Empfinden verlieren die E-Books auch alle gestalterischen Aspekte. Und ich liebe es einfach, in einem echten Buch zu blättern. Das Lesen mit Genuss bedeutet für mich, auch ein gedrucktes Buch in der Hand zu halten.

Büchervielfalt: Von echten Bestsellern bis zu Überraschungserfolgen

Findet man bei euch auch andere Bücher oder nur nordische Literatur?

Auf jeden Fall, jetzt haben wir beispielsweise die Bücher, die für den Deutschen Bücherpreis nominiert waren, natürlich da. Wir haben eine kleine Auswahl an georgischer Literatur. Georgien war in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse das Gastland. Wir haben auch eine Sachbuchauswahl, beispielsweise sehr stark gerade in dem Thema „Nature Writing“, was jetzt in die deutschsprachige Literatur vor allem aus dem englischsprachigen Raum kommt. Da ist gerade der Verlag Matthes & Seitz sehr engagiert, sie haben viele Titel dort.

In welchen Sprachen findet man die Bücher bei euch?

Wir haben natürlich die Übersetzungen ins Deutsche. Da sind wir sehr hinterher, was in welchem Verlag wann rauskommt. So haben wir inzwischen sehr gute Kontakte zu den Verlagen. Wir können eben auch die Literatur in Originalsprachen auf Wunsch importieren. Und wir bekommen Bestellungen sowohl von Privatpersonen als auch von den anderen Buchhandlungen aus der ganzen Bundesrepublik. Wir sammeln immer ein bisschen, das ist ja auch effektiver. Dann teilen sich auch die sonst hohen Frachtkosten. Aber eine kleine Auswahl haben wir eben da. Sowohl neue als auch gebrauchte Bücher auf Schwedisch, Norwegisch und Dänisch.

Ob ein Bestseller oder ein neuer Roman des unbekannten Autoren: bei der Auswahl hilft das Pankebuch-Team sehr gern © Wir von Hier

Welche Bücher waren bis jetzt die echten Bestseller?

Einen großen Marktanteil nehmen natürlich die Krimis ein, und da kommen auch immer wieder neue Autoren. Das sind die Bekannten, wie zum Beispiel Jussi Adler-Olsen aus Dänemark. Aber es gab auch so ein paar wirklich Überraschungserfolge auf dem Markt. Das waren die Bücher von Maja Lunde aus Norwegen. Ihr erstes Buch „Die Geschichte der Bienen“ war im vergangenen Jahr schon wirklich das erfolgreichste in Deutschland verkaufte Buch. Niemand hat erwartet, aber das ist eben ein aktuelles Thema, was sie aufgegriffen hat. In diesem Jahr folgte ihr zweites Buch „Die Geschichte des Wassers“, auch ein brisantes Thema.

Dann gibt es natürlich noch die Dauerbrenner wie die Bücher von Astrid Lindgren.

Buchladen im Kiez: Treffpunkt für alle Nachbar*innen

Wer kommt in euren Buchladen? Die Menschen aus der Nachbarschaft oder aus anderen Berliner Bezirken?

Einmal die Leute aus dem Kiez, es ist ein wirklich nachbarschaftliches, freundschaftliches Verhältnis mit vielen. Aber eben durch diese Spezialisierung erreichen wir auch Publikum, das von weiter herkommt. Es ist natürlich schon wichtig für die Existenz, muss man einfach sagen. Gerade hier in Prenzlauer Berg, Pankow gibt es eine Vielzahl an wirklich guten unabhängigen Buchhandlungen, die alle ihre Profile haben. Zum Beispiel gibt es in Pankow eine Kinderbuchhandlung, nicht weit von hier.

Mit Nachbarn über Lieblingswerke austauschen und nach Buchtipps fragen.

Du hast bereits erwähnt, dass bei euch in der Buchhandlung ein Lesekreis stattfindet. Könntest du ein bisschen mehr darüber erzählen?

Das ist eine Gruppe von begeisterten Lesern, die sich gern über das, was sie lesen und lieben, austauschen wollen. In den ersten Monaten hier sind wir mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen und haben so rausgehört, dass es ein Bedürfnis gibt, sich auszutauschen. Dann haben wir gesagt, treffen wir uns doch hier, und inzwischen werden wir uns im Dezember schon das 70. Mal treffen. Und es gibt zwei-drei Leute, die von Anfang an dabei sind. Das ist der feste Stamm. Aus der Gruppe kommen Vorschläge, über welches Buch wir nächstes Mal sprechen. Das sind oft ganz aktuelle Sachen, aber auch Klassiker entdecken wir mal wieder gemeinsam. Über Dostojewskij haben wir gesprochen oder über Hermann Hesse, haben gegenseitig unsere liebsten Gedichte vorgetragen. Ein Thema war auch, mit welchen Kinderbüchern ist man sozialisiert worden, das war ebenfalls sehr spannend.

Es sind immer wieder neue Leute dabei, die einfach mal gucken wollen, ob ihnen die Atmosphäre gefällt. Und auch wenn man keine Zeit hatte, das ganze Buch zu lesen, kann man trotzdem dabei sein. Mir ist es manchmal schon so gegangen, dass ich das Buch beim Lesen nicht so stark fand, aber durch das Gespräch angeregt wurde.

Pankebuch ist ein Treffpunkt für Menschen aus dem Kiez, auch beim Regen! © Wir von Hier

Finden bei euch auch Lesungen statt?

Regelmäßig veranstalten wir Lesungen, durchschnittlich zwei im Monat. Mit Häufung jetzt gerade im Herbst, auch im Frühjahr, wegen der Buchmessen.

Und wir hatten schon viele Autoren aus Skandinavien da. Unsere allererste Lesung war mit dem dänischen Autoren Morten Ramsland, der jetzt auch einen neuen Roman herausgegeben hat. Dann war schon Katja Kettu aus Finnland hier, die mit ihrem Roman „Wildauge“ vor zwei-drei Jahren richtig großen Erfolg hatte.

Letzte Woche hatten wir eine Lesung mit dem Journalisten Tilmann Bünz und seinem Buch „Wo die Ostsee Westsee heißt“. Am Samstag hatten wir am Nachmittag eine Kinderbuchvorstellung für Familien, mit einem isländischen Kinderbuch, gerade erschienen beim kleinen Berliner Verlag Kullerkupp.

Wir feiern auch skandinavische Feste, im Dezember – Luciafest, im Juni – Midsommar. Das machen wir mit Spezialitäten und natürlich mit Geschichten, die dazugehören.

Im literarischen Norden Berlins

Wie seid ihr mit den Buchläden aus der Umgebung vernetzt?

Wir kennen uns gut, wir tauschen uns auch aus, was Information angeht, oder zum Teil ist es auch so, dass wir unterschiedliche Lieferanten haben, und sie haben manchmal unterschiedliches Sortiment. Was wir zum Beispiel bei unserem Lieferanten nicht so schnell bekommen, können vielleicht unsere Kollegen besorgen, so dass wir auf jeden Fall die Wünsche der Gäste erfüllen können. Oder es passiert eben auch relativ häufig, dass Kollegen, wenn sie Gäste haben, die zum Beispiel im nächsten Urlaub nach Finnland reisen möchten, dann schicken sie die Leute auch zu uns. Klar können die anderen Kollegen die Bücher auch bestellen, aber du musst erstmal wissen, was es gibt. Und da haben wir eben schon das Sortiment da, in dem man blättern kann.

Im Pankebuch-Sortiment sind unterschiedliche Bücher dabei: von der nordischen Literatur bis hin zu Sachbüchern © Wir von Hier

Vielleicht sprechen wir ein bisschen über euren Kiez, Pankow. Was ist das Besondere an Pankow? Was kann man hier entdecken? Welche Leute wohnen in der Gegend?

Ich schätze hier sehr die Lage am Bürgerpark (bis auf den Fluglärm, muss man dazu sagen), ich wohne auch hier in der Nähe. Man ist sehr schnell an allen anderen Orten in der Stadt, im Kino oder Theater, auch Richtung Norden ist man ganz schnell aus der Stadt. Hier gibt es eben diese Verbindung zwischen dem kleinstädtischen Charakter und der Großstadt.

Buchtipps für die kalten Wintertage

Was würdest du zum Lesen für die kalten Wintertage empfehlen?

Es gibt ein Buch, das ist schon im vorigen Jahr erschienen, aber das ist im besten Sinne ein guter Schmöker, von dem Norweger Lars Mytting „Die Birken wissen’s noch“. Eine spannende Familiengeschichte, die aber zurück in die Europäische Geschichte bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts geht und sich über mehrere Länder erstreckt. Sehr empfehlenswert. Das habe ich im letzten Herbst so an einem Sonntagnachmittag gelesen.

Was ich auch sehr schätze, das ist allerdings eine dramatische Geschichte, ist von der schwedischen Autorin Golnaz Hashemzadeh Bonde „Was bleibt von uns“. Die Autorin ist Iranerin, die als Kind mit ihren Eltern nach Schweden geflüchtet ist. Darum geht’s auch in diesem Roman: Das Ankommen, das Leben in der fremden Kultur oder mit zwei Kulturen. Aber literarisch sehr sehr stark.

Vielen Dank für das Gespräch!


Buchladen Pankebuch

www.pankebuch.de

Wilhelm-Kuhr-Str. 5

13187 Berlin


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