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Wie isst Berlin?

So isst Berlin: Gründerinnen

Zwei Frauen mit einer großen Liebe zu Berlin, die durch den Magen geht! Stefanie Laufs und Antje Friedrich sind die Gesichter hinter dem Buch „Aus Kiez und Küche – So isst Berlin“. Antje arbeitet als PR-Managerin bei Berlins großem Locationguideportal Top10 Berlin und Stefanie ist Senior-Beraterin in einer PR-Agentur und Bloggerin auf Soulcuisine.de.

Wir von Hier hatte die tolle Möglichkeit in einem Interview mit Antje und Stefanie mehr über ihre kulinarischen Vorlieben und den Weg von der Idee zum Kochbuch zu erfahren.

Ein Interview mit Antje und Stefanie

Malika: Erst einmal vielen Dank, dass ihr euch Zeit für das Interview genommen habt! Wir freuen uns sehr darüber und sind gespannt darauf, was ihr zu erzählen habt!

Euer Herz schreit Berlin und schlägt für die kulinarische Vielfältigkeit hier – es ist eine eurer Leidenschaften immer wieder Neues zu entdecken.

Wo und wann gibt es Berührungspunkte zwischen eurem Leben und Essen?

Stefanie: Ich koche und esse für mein Leben gern und war schon immer von der kulinarischen Vielfalt Berlins begeistert und überwältigt. Mit meinem eigentlichen Job hat das Kochen weniger zu tun, es ist ein schöner Ausgleich zum Alltag. Beim Kochen und Kreieren neuer Rezepte kann ich gut abschalten und alle Sorgen vergessen. Außerdem faszinierte mich schon immer die Geschichte hinter einem Gericht und so fing ich an, Köche nach der Entstehungsgeschichte bestimmter Gerichte zu fragen und diese zu notieren. Die Idee zum Kochbuch war geboren. Mit Top 10 Berlin habe ich mir dann noch einen erfahrenen Partner an Bord geholt, der mich nicht nur bei der weiteren Auswahl der Restaurants unterstützt hat.

Stefanie kocht schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Sie stand immer in der Küche dabei, wenn ihre Mama kochte und schaute sich dort bereits viel von ihr ab. Heute kocht sie eher Freestyle und experimentiert viel. „Kochen hat für mich etwas Beruhigendes und sehr Soziales. Das genieße ich als Ausgleich zu meinem stressigen Berufsalltag.“, beschreibt Stefanie.

Wenn das Backen in den Genen steckt…

Bei Antje ist das etwas anders: „Ich kann überhaupt nicht kochen [lacht], aber ich liebe es, essen zu gehen und immer neue Gerichte und Geschmäcker auszuprobieren. Bei Top10 Berlin beschäftigen wir uns ja beruflich viel mit der Berliner Gastronomie-Szene, kennen uns gut aus, probieren und testen ständig Neues. Als Stefanie mit der Idee eines Kochbuchs auf uns zukam, war ich sofort begeistert und wusste, dass das eine schöne Möglichkeit ist, mit Top10 Berlin an einem Printprodukt mitzuwirken. Gemeinsam haben wir die Idee zum Buch dann weiterentwickelt und in die Tat umgesetzt.“

Das Buch „So isst Berlin“ © So isst Berlin

Ein ganz unbeschriebenes Blatt ist Antje jedoch nicht, denn ihr Opa war Konditor und sie habe als Kind schon die Gerüche vom Backen der leckeren Torten und Brotwaren geliebt. Deshalb gehört das Backen ja besonders zu Antjes Stärken!

Was ist das Leckerste und was das Skurrilste, das ihr je gegessen habt und wo?

Antje: Skurril war einiges, das mir beim Essen untergekommen ist: Ob schwarzes Eis, Keksteig zum Löffeln oder Molekularküche, bei der sich im Mund Gel in Flüssigkeit verwandelt – es macht einfach Spaß, Außergewöhnliches auszuprobieren und neue Geschmackserlebnisse kennenzulernen. Das Leckerste sind für mich aber auch heute immer noch die einfachen Dinge: eine gut gemachte Boulette oder eine leckere Pizza.

Stefanie: Ich habe eine Zeit lang in Louisiana, USA gelebt und liebe die kreolische Südstaatenküche, vor allem Gumbo (Eintopf mit Reis, Huhn oder Fisch und Okraschoten), Jambalaya (Reiseintopf) und Beignets (Krapfen) – Gerichte, die hier eher unbekannt sind. Ich habe in New Orleans schon mal Froschschenkel probiert, allerdings blieb es bei diesem einen Mal, da mir diese Speise nicht wirklich gut schmeckt. Ich schließe mich Antje an – es ist wirklich schön, neue Speisen, vor allem in anderen Ländern, auszuprobieren. Allerdings bevorzuge auch ich die Gerichte, die trotz weniger und frischer Zutaten zur Gaumenfreude werden. Zu einem frischen Brot mit Butter würde ich niemals Nein sagen.

Wie entstand die Idee, ein Kochbuch zu entwickeln und wieso im Kiez?

Stefanie: Berlins Gastronomieszene ist riesig und vielfältig und trotzdem landen wir oft in den immer gleichen Lokalen. Als Antje und ich die Idee zum Kochbuch vertieften, waren wir uns schnell einig, dass wir nicht nur Gerichte aus Mitte oder Friedrichshain vorstellen, sondern Berlin so widerspiegeln wollen, wie es ist: abwechslungsreich und bunt. Wir waren deshalb in den Kiezen der ganzen Stadt unterwegs und haben versucht, auch in den entlegensten Flecken der Stadt kulinarische Highlights zu entdecken.

Unterwegs in den Kiezen der ganzen Stadt © So isst Berlin

Wie schwierig war es, die Geheimnisse der Berliner Köche aus den Kochlöffeln zu kitzeln?

Antje: Es war gar nicht so einfach, unsere Idee in die Tat umzusetzen. Sobald uns ein Gericht so richtig umgehauen hat, haben wir viel Zeit und Mühe investiert, um die Chefköche zu überzeugen, uns ihre liebsten Rezepte für ein Kochbuch zur Verfügung zu stellen, bei dem das Leckerste Berlins zusammengetragen wird: zum Nachkochen für Zuhause! Nicht alle Köche wollten uns sofort ihre Rezepte preisgeben, aber letztlich haben wir sie doch alle von unserem Projekt überzeugen können und sie haben sehr gern mitgemacht. Da hat es natürlich auch geholfen, dass viele der Restaurants schon seit Jahren gut mit Top10 Berlin zusammenarbeiten. Das war öfter eine Art Türöffner. Insgesamt haben wir von der Idee bis zur Veröffentlichung ca. ein Jahr am Buch gearbeitet.

Wie verlief die Zusammenarbeit? Habt ihr schon einmal ein Projekt gemeinsam umgesetzt?

Stefanie: Das Kiezkochbuch war unser erstes gemeinsames Projekt. Es war natürlich anfangs ein Risiko, gemeinsam mit einer Partnerin ein Buch zu entwickeln, die man vorher noch gar nicht kannte. Aber wir hatten von Anfang an eine tolle Chemie und haben gleich gemerkt, dass es passt. Wir sind total stolz, so ein Projekt gemeinsam gewuppt zu haben.

Antje: Das kann ich nur zurückgeben. Stefanie und ich funktionieren super als Team und hatten viel Spaß zusammen. Wir haben uns gut koordiniert und waren auf einer Wellenlänge, was die Ideen zum Buch anging. Es tat gut, sich mit jemandem besprechen zu können. Egal ob Restaurantbesuche, unsere Crowdfunding-Kampagne, Stände auf der Foodweek oder dem Weihnachtsmarkt, Videodrehs oder Interviewtermine – wir haben alles gut gemeistert und würden auf jeden Fall wieder zusammenarbeiten.

Was hat euch am meisten überrascht und am meisten gefreut bei der Entwicklung des Kochbuchs?

Stefanie: Die Entstehung unseres Kochbuchs war ein offener Prozess. Zum Beispiel haben wir währenddessen einen befreundeten Berlin-Fotografen, Alexander Heide, hinzugenommen, der wunderschöne Illustrationen der Berliner Kieze angefertigt hat. Auch haben wir später noch Interviews mit einigen Restaurant- und Barbesitzern ins Buch eingefügt, weil die Geschichten hinter den Rezepten oftmals sehr spannend sind. Natürlich ist auch die Illustratorin unseres Buchs für den letztendlichen Look des Buchs mitverantwortlich.

Antje: Wir hatten bei der Buchentwicklung auch immer mal wieder Rückschläge zu verkraften. Es gab ab und zu Absagen von den Restaurants zu unseren Rezeptanfragen und wir mussten uns neu orientieren. Wir haben unser Buch ja auch über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert und wussten nicht, ob das schließlich funktionieren würde. Letztendlich sind wir aber immer ganz toll unterstützt worden, durften in vielen Restaurants Videomaterial shooten und sogar mit in die Restaurantküchen, um direkt beim Kochen dabei zu sein. Mit viel Glück haben wir auch einen Verlag, den Nordwest Media Verlag, gefunden, der unser Buch verlegt hat.

Wie habt ihr die Wahl der Restaurants getroffen?

Antje: Uns war wichtig, Restaurants aus den verschiedensten Berliner Kiezen vorzustellen und zu zeigen, dass es nicht nur in den angesagten Szene-Bezirken gute Küche gibt. Wir haben von rustikaler Berliner Küche bis zu gehobener Küche alles dabei. Aus jedem Kiez gibt es immer ein Rezept für ein Frühstück, eins für ein Abendessen und eins für ein Dessert oder einen Cocktail. Insgesamt sind 33 Rezepte im Buch. Mit dabei sind beispielsweise das Restaurant Grosz am Kurfürstendamm, die Bar Stagger Lee in Schöneberg, das Jungbluth in Steglitz, das 3 Schwestern in Kreuzberg und viele weitere.  

Über die Schultern der Köche von Jungbluth schauen © Alexander Heide

Da ist ja wirklich für jeden was dabei!

Sind die selbstgekochten Gerichte aus den angesagten Restaurants genau so lecker wie das Original vom Chefkoch?

Stefanie: Auf jeden Fall! Wir haben schon viele der Rezepte selbst nachgekocht und das klappt wirklich hervorragend. Wir haben immer darauf geachtet, dass die Zutaten für die Speisen im normalen Handel erhältlich sind und die Zubereitung nicht allzu umständlich ist. Bei den Rezepten ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Welches Rezept aus dem Kochbuch ist euer Liebstes?

Antje: Ich habe mich in das Blaubeer-Prosecco-Risotto der tollen Lavanderia Vecchia in Neukölln verliebt. Das Risotto schmeckt fantastisch. Das Nachkochen ist übrigens nicht so schwer, wie man vielleicht denkt. Die Chicken in Waffles von Geist im Glas sind aber auch ganz toll!

Stefanie: Tatsächlich schmecken mir alle Gerichte, die im Buch aufgeführt werden. Aber am meisten überrascht war ich tatsächlich von der Buzara des Fischrestaurants Lesendro in Prenzlauer Berg. Ich bin nicht der größte Fischfan, versuche allerdings immer wieder, mich mit Meeresfrüchten anzufreunden. Im Lesendro angekommen, durfte ich dem Chefkoch bei der Zubereitung über die Schulter schauen, und bereits beim Duft von Knoblauch, Tomate und Meeresfrüchten waren meine Geschmacksnerven aktiviert. Anschließend erklärte er mir, welche Krusten- und Schalentiere sich da auf meinem Teller befanden und wie ich sie auslösen musste. Ich war vom Geschmack hin und weg und empfehle jedem Fischskeptiker einen Besuch im Lesendro.

Plant ihr ein zweites Kochbuch oder ähnliches?

Antje: Wir haben viele Ideen für ein weiteres Buch und auch unser Verleger würde gern wieder mit uns arbeiten, aber so ein Buchprojekt ist zeitaufwendig und wir haben ja beide noch andere Jobs. Aber Lust hätte ich schon…

Stefanie: Ich sehe das wie Antje. Es würde viel Spaß machen, ein weiteres Buch zu entwickeln. Vielleicht klappt das zukünftig. Wir halten euch natürlich gern auf dem Laufenden.

Wir freuen uns auf mehr!

Zum krönenden Abschluss haben Wir für euch Antje und Stefanie nach einem Rezept aus ihrem Kochbuch „Aus Kiez und Küche – So isst Berlin“ gefragt und sie waren so lieb und haben uns ein kleines Schokoladengeheimnis verraten: Würdet ihr ein Rezept aus eurem Buch mit uns teilen?  

Stefanie: Aber gern. Dieses Brownie-Rezept stammt tatsächlich aus meiner Südstaaten-Sammlung und ist für alle Schokoladenfans ein Muss.

Brownies © So isst Berlin

Zutaten

●      Schokolade (zartbitter) – 300 g

●      Butter – 120 g

●      Mehl – 140 g

●      Zucker (braun) – 110 g

●      Zucker (weiß) – 110 g

●      Backpulver – 1/2 TL

●      Eier – 3

●      Vanillezucker – 1 Pck.

●      Salz – 1 Prise

●      Kakaopulver – 2 EL

Zubereitung

1. 200g Schokolade mit der Butter in einem Topf schmelzen lassen. Die restliche Schokolade in kleine Stückchen zerhacken.

2. Eier, Zucker, Kakaopulver, Vanillezucker und Salz miteinander verrühren. Mehl und Backpulver unterheben.

3. Flüssige Schokolade zum Teig geben und Schokoladenstücke unterheben. Wahlweise können auch Nüsse (Hasel-, Walnüsse oder auch Kirschen) untergemischt werden.

4. Eine runde Backform mit Backpapier auslegen, Schokoladenteig gleichmäßig darin verteilen und bei 180 Grad 20-25 Minuten lang backen. Anschließend 5-10 Minuten abkühlen lassen und mit einer Kugel Vanilleeis noch warm servieren.

Titelbild: © Alexander Heide

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