Essen & Shoppen

Über den Tellerrand – Dialog zwischen Kulturen

Kitchen on the Run: Gemeinsames Essen

Essen bringt Menschen zusammen, darüber besteht kein Zweifel. Die Initiative aus Berlin „Über den Tellerrand“ kann das nur bestätigen. Seit 2013 schafft „Über den Tellerrand“ durch gemeinsames Kochen und vielseitige Projekte Räume für Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung. Ca. 2.000 Mitglieder*innen sind bereits aktiv im Verein. Das Wir von Hier Team wollte mehr über dieses tolle Projekt erfahren und hat mit Ina von „Über den Tellerrand“ gesprochen.

Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Kulturen

„Bei Über den Tellerrand bin ich schon super lange dabei. Ich habe hier angefangen, als das Projekt noch in den Kinderschuhen war“. 2015 ist Ina nach Berlin gekommen, um ihre Masterarbeit zu schreiben und dann wieder nach Köln zurückzukehren. 5 Jahre später ist sie aber immer noch in Berlin und will nicht mehr weg. Ina ist der 2. Vorstand bei „Über den Tellerrand“ und beschäftigt sich mit Social Media, Kommunikation, und Verwaltungsangelegenheiten.

Kitchen on the Run Team 2017: Daniel Schon, Agnes Disselkamp und Ina Peppersack
Kitchen on the Run Team 2017: Daniel Schon, Agnes Disselkamp und Ina Peppersack (v.l.n.r.) © Über den Tellerrand

Persönliche Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Kulturen, Menschen mit und ohne Fluchterfahrung – darum geht es bei „Über den Tellerrand“. Dem Verein ist es wichtig, vor allem persönlichen Austausch unter den Leuten zu stärken, die sich im Alltag sonst nicht begegnen würden. „Kochen ist ein Dialog, erster Kontakt, ein sehr positiver Zugang zu allen Menschen“, sagt Ina dazu.

Gründe eine Nachbarschaftsgruppe für Kochbegeisterte.

Kochen ist in erster Linie ein Mittel, um Menschen zusammen zu bringen. Durch gemeinsames Kochen und Essen ergeben sich wiederum viele Möglichkeiten, ein Freundesnetzwerk aufzubauen und einen Job oder eine Wohnung zu finden. Nicht zuletzt wird man dabei direkt mit Vorurteilen konfrontiert, die man eventuell über Menschen mit Fluchterfahrung hat. „Dass es wahnsinnig viel wert ist, habe ich auf meiner Container-Reise festgestellt. 30 Menschen essen zusammen, und auch wenn eine gemeinsame Sprache vielleicht fehlt, findet jeder schnell seinen Platz“, erinnert sich Ina über ihre Mitarbeit bei „Kitchen on the Run“.

Kitchen on the Run in Lörrach bei Über den Tellerrand
Kitchen on the Run in Lörrach © Über den Tellerrand

In der Tat ist das Essen so ein Thema, das wir alle gemeinsam haben. „Essen tun wir alle, kennen wir alle“, so Ina. Auch wenn man kein Interesse am Kochen hat, interessiert man sich in der Regel trotzdem fürs Essen. So entwickelt sich am Esstisch eine eigene Dynamik, jede*r kann einen Teil von der eigenen Identität teilen, im lockeren und positivem Rahmen.

Beim Thema Essen wird es nie langweilig – das Kochen hat so viele verschiedene Facetten. Genau deswegen sind bei „Über den Tellerrand“-Veranstaltungen Teilnehmer*innen aller Gender, Altersgruppen, Bildungsstände und Interessen dabei. Wem kann Essen schon gleichgültig sein?

Gemeinsames Kochen und Tandem-Projekte

Kitchen Hub in Berlin-Schöneberg ist das Hauptquartier von „Über den Tellerrand“. Hier finden diverse Events statt, aber auch unter der Woche kann man vorbeikommen, um sich zu informieren. Der Raum wurde vor ein paar Jahren im Rahmen einer Summer School in Kooperation mit der TU Berlin eingerichtet. Der Raum entspricht vollkommen den Bedürfnissen des Vereins: Die Einrichtung besteht zum Beispiel aus Modulen, die unterschiedlich genutzt werden können. „Für uns ist es sehr wichtig, physische Räume der Begegnungen herzustellen“, so Ina.

Kitchen Hub in Berlin-Schöneberg bei Über den Tellerrand
Kitchen Hub in Berlin-Schöneberg © Laura Fiorio / Über den Tellerrand

Neben Kochevents gibt es auch solche Initiativen wie das Job Buddy Programm und Building Bridges. Das Kochen bzw. das Essen bleibt aber bei allen Projekten des Vereins ein essenzieller Bestandteil. „Bei Tandem-Projekten geht es aber nicht nur ums Kochen, sondern um tiefer gehende Begegnungen, Diskussionen. Deswegen ist es ein ganz anderes Vertrauensverhältnis“, erzählt Ina.

Tausche dich über spannende Initiativen auf Wir von Hier aus.

Bei Kochabenden kann der erste Kontakt zustandekommen, bei „Building Bridges“ oder „Job Buddy Programm“ geht es aber zusätzlich noch um einen intensiveren Austausch unter Teilnehmer*innen. Während beim „Job Buddy Programm“ mit Bewerbungsunterlagen und Integration in den Arbeitsmarkt geholfen wird, liegt der Schwerpunkt von „Building Bridges“ auf alltäglichen Fragen, die im geschützten Raum diskutiert werden können. „Werte, Normen, gemeinsames Wohnen, Reden, Beziehungen, Liebe… also Themen, die man sich nicht traut, anzustoßen“, sagt dazu Ina.

Wie schnell die verfügbaren Plätze bei allen Programmen gebucht werden, zeigt den hohen Bedarf an solchen Initiativen bzw. einfach an einem geschützten Raum für Austausch und Begegnungen.

Erfolgsrezept – Großes Netzwerk

Wie läuft’s aber weiter, nachdem man einander zum ersten Mal via „Über den Tellerrand“ kennengelernt hat? „Wir haben sehr viele Erfolgsgeschichten“, erzählt Ina. Zwar ist die tatsächliche Wirkung von einzelnen Events oder Projekten schwer messbar, aber der positive Effekt ist klar. Besonders in kleineren Städten lernen sich die Leute über das Projekt besser kennen. Kontakte entstehen, Jobs werden vermittelt.

Syrischer Kochabend bei Über den Tellerrand
Syrischer Kochabend © Über den Tellerrand

„Unser Netzwerk ist mittlerweile stark und groß. Wir sind zu einer Anlaufstelle geworden. Wenn man zum Beispiel in einer neuen Stadt ankommt, besucht man als erstes Über den Tellerrand“, so Ina. In Berlin hat der Verein eine gute Verbindung zur Nachbarschaft. Im Kitchen Hub in Schöneberg kommen aber nicht nur direkte Nachbar*innen, sondern auch Menschen aus anderen Bezirken zusammen.

Im Berliner Standort arbeiten aktuell 14 Festangestellte, die in unterschiedlichen Projekten tätig sind. Der erste Standort von „Über den Tellerrand“ bietet auch regionale Vernetzungstreffen und Weiterbildungen für etwas mehr als 30 Satelliten in ganz Deutschland.

„Wir sehen uns nicht als Dachorganisation, wir wollen eher Austausch fördern, mehr Strukturen an Standorten schaffen“, so Ina. Der Aufbau der Strukturen und Netzwerken mit Ehrenamtlichen ist für „Über den Tellerrand“ sehr wichtig. Denn die Initiative muss auch dann funktionieren, wenn zum Beispiel keine Fördermittel für Festangestellte da sind.

Plates of Salad Event von Über den Tellerrand
Plates of Salad Event © Über den Tellerrand

Vor allem durch „Kitchen on the Run“ ist der Verein nicht nur in Berlin, sondern auch deutschlandweit aktiv. Mit einer mobilen Küche, die in einen Schiffscontainer eingebaut ist, reist das Projektteam durch Kleinstädte und trägt die Idee der Initiative an neue Orte. In heimeliger Atmosphäre werden Kochabende organisiert, bei denen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung einander kennenlernen und so auch ihre Lieblingsrezepte und persönliche Geschichten teilen können. 2019 ist das Projekt wieder auf Deutschlandreise und kommt in drei Kleinstädte.

Über den Tellerrand unterstützen

Durch großartiges Engagement seiner Mitglieder*innen und aller Unterstützer*innen hat „Über den Tellerrand“ eine große Resonanz bekommen und hilft vielen Menschen, ihre Horizonte zu erweitern. Auch ihr könnt das Projekt unterstützen. Wie?

  • Kochbücher mit Lieblingsrezepten kaufen
  • Kochkurse buchen
  • An „Über den Tellerrand“ Events teilnehmen
  • Ehrenamtlich im Verein tätig werden.
Zutaten für ein Gericht aus dem "Kochbuch für ein besseres Wir" von Über den Tellerrand
Zutaten für ein Gericht aus dem „Kochbuch für ein besseres Wir“ © Über den Tellerrand

Erfahre mehr über die Unterstützungsmöglichkeiten auf ueberdentellerrand.org.

Informiere dich über lokale Projekte in deiner Nähe.

Titelbild © Hans Sauer Stiftung / Über den Tellerrand