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Das Zuhause-Gefühl aus Niederschönhausen

Ein Café, wo man sich zu Hause fühlt. Klingt verlockend? Genau das dachte sich auch das Wir von Hier Team und machte einen Ausflug nach Berlin-Niederschönhausen ins neue Café „Wo man sich Zuhause fühlt“. In diesem nördlich gelegenen und grünen Bezirk Berlins leben viele Familien mit Kindern – in Niederschönhausen fühlt man sich wie in einer Kleinstadt innerhalb der Metropole, so ruhig und gemütlich ist es hier. Hat man aber keine Lust, die ganze Zeit zuhause zu bleiben oder in den zentraleren Bezirk zu fahren, gibt es fürs Kaffeetrinken nicht so viele Möglichkeiten. Das neue Familien-Café in der Heinrich-Böll-Straße will das ab sofort ändern.

In 2 Monaten zum Traumcafé

„Februar haben wir aufgemacht, der zweite Februar war der große Eröffnungstermin“, erzählt uns Sven, der Café-Inhaber. Aus dem ehemaligen Laden für An- und Verkauf der Waschmaschinen haben Sven und seine Familie innerhalb von zwei Monaten ein hübsches Café mit einem großen Kinderbereich gemacht. Wie ging das? Die ganze Familie hat angepackt und beim Umbau mitgeholfen. Und klar, wenn die komplette Familie mitmacht, geht das schnell. Unter dem Team auf der Homepage sind etwa 17 Personen dabei. „Die Familie!“, sagen Sven und seine Schwester Jennifer dazu.

Sven und Jennifer vom Café "Wo man sich Zuhause fühlt"
Sven und Jennifer im „Wo man sich Zuhause fühlt“.

„Ich bin gelernter Koch, habe mich aber irgendwann von der Gastronomie abgewandt. So stand es fest: Wenn ich das nochmal mache, werde ich das nur für mich selber machen“, erinnert sich Sven. Mit dieser Idee hat die ganze Familie angefangen, sich in der Umgebung umzuschauen. Auch als „Wo der Bär den Honig holt“ zum Verkauf stand, hat man sich umgehört.

Auf die Frage „Wo machen wir das?“ kam aber dann plötzlich die Antwort: In der Nachbarschaft! Svens Frau fand eine Annonce: Ein Gewerberaum in der Nähe wird frei, genau in der Straße, wo die Familie wohnt. Nach der Besichtigung war sofort klar: „Das ist die perfekte Größe, wir können hier das umsetzen, was wir wollen!“.

„Wir wollen kein Restaurant sein, wir wollen eine Schiene fahren, die hier nicht verfügbar ist“, erzählt Sven. „Schönes Frühstück, genauso wie hausgemachte Kuchen“. Einfach ein Nachbarschaftscafé sein, wo man leckeren Kaffee trinken und frühstücken kann. Ein Café um die Ecke, für Groß und Klein.

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Familiencafé – von jung bis alt

„Wo man sich zuhause fühlt“ versteht sich als ein Familiencafé, unter „Familie“ werden allerdings nicht nur Eltern mit kleinen Kindern gemeint, sondern alle. „Was wir festgestellt haben: Viele Leute denken, ein Kind ist eine Eintrittskarte für unser Café. Die ältere Generation sagt: Schade, ihr habt ein tolles Café, aber wir sind nicht eure Zielgruppe. Aber wir sagen, natürlich seid ihr unsere Zielgruppe. Familie ist von jung bis alt“, so Sven.

Auch wenn der Kinderbereich nur ein Teil vom Café ist, ist er für die Gegend mit 7 Kindergärten im nahen Umkreis nicht zu unterschätzen. „Das passt wie Faust aufs Auge. Die Leute sind so dankbar. Sie sagen, Mensch, endlich hat sich jemand getraut!“, teilt uns der Café-Inhaber mit. In der Tat, in der Nachbarschaft gibt es ein paar Restaurants, Bäckereien und Läden, aber ein richtiges Frühstückscafé mit einem großen Kinderbereich ist für die Gegend was Neues.

„Die erste Woche war es Wahnsinn“, erzählt uns Jennifer begeistert, „beim Frühstück waren wir komplett ausgebucht“. Die Frühstücksgerichte nehmen einen großen Teil der Speisekarte an, auch für die Kleinen ist was dabei – von Sandwiches und kleinen Snacks bis hin zu Milchreis und leckeren Kuchen, wie zum Beispiel der bunt eingefärbte Papageienkuchen. Innerhalb von zwei Wochen seit der Eröffnung hat bereits der dritte Geburtstag im Café stattgefunden.

„Wozu aber in ein Café gehen, wo man sich wie zu Hause fühlt?“ mag der ein*e oder andere*r Leser*in skeptisch fragen. „Wir hoffen, dass man sich hier nicht als Gast fühlt, sondern als Teil der Familie“, antwortet Sven darauf . „Das ‚Familiencafé‘ wollen wir nicht nur drauf schreiben, sondern es auch leben“.

Lokales Café von der Familie für Familien

Die komplette Innenausstattung des Cafés hat die Familie selbst gemacht, und das macht den Ort sehr warm und herzlich. „Das Tresen haben wir komplett mit unseren eigenen Händen gebaut, Regale, Badezimmer… alles selbst gemacht“, erzählt Jennifer.

„In der großen Familie kann jeder was und zum Schluss können wir irgendwie alles!“ sagt dazu Sven. Den Umbauprozess hat die Familie auf sozialen Netzwerken dokumentiert. Aber natürlich ging es nicht ohne Schwierigkeiten.

„Hier im Café haben wir keinen Wasseranschluss und kein Abwasser. Das heißt, um die Kaffeemaschine betreiben zu können oder ein Waschbecken im Tresen zu haben, mussten wir natürlich Leitungen nach außen legen. Genauso wie in der Küche“, tauschte sich Sven mit uns aus. Jedoch sind das kleine Hürden gewesen und rechtzeitig zum Eröffnungstermin waren alle Bauarbeiten abgeschlossen. „Wir haben es tatsächlich geschafft“, erinnert sich Jennifer.

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Das Café ins Leben zu rufen wäre allerdings ohne Familienhilfe nicht möglich gewesen. „Für die Zukunft ist es auch so geplant. Mein Vater geht in zwei Jahren in Pension und er braucht eine Aufgabe, er hat sich das immer so vorgestellt. Da haben Wünschen und Ideen zusammengepasst“, teilt uns Sven die Zukunftspläne der Familie mit. In der Zwischenzeit soll Jennifer als einzige aus der Familie im Café in Vollzeit arbeiten. Die anderen Familienmitglieder behalten ihre Jobs und teilen die Aufgaben im Café auf.

Selbst die ganz Kleinen helfen aus. „Mein Neffe und mein Sohn, 7 und 8 Jahre alt, sind die Security. Sie sind die Chefs der Spielecke. Sie freuen sich über ihre Aufgaben, mit Aufräumen hapert es aber noch ein bisschen“, sagt Sven lachend. So hat jede*r in der Familie seinen Aufgabenbereich und fühlt sich dazugehörig. Die Mutter und Schwiegermutter von Sven backen, er selbst hat die Speisekarte gestaltet. Auch die Freunde der Familie kommen zur Hilfe, wenn es brennt.

Leckeres Frühstück in Niederschönhausen

Das Hauptangebot in „Wo man sich zuhause fühlt“ ist definitiv ein Frühstück. Jedoch kein einfaches Frühstück, was man auch zuhause selbst schnell machen kann, sondern ein besonderes. „Wir wollen eine gewisse Qualität fahren, denn wir nehmen auch 8,90 € fürs Frühstück. Aber da gibt es hausgemachte Marmelade, Pesto, hausgemachte Frischkäsecremes… Wir wollen auch etwas bieten, was den Kunden aus dem Haus lockt“, erzählt Sven.

Auch der Kaffee ist besonders, das Café hat sich für eine Manufaktur aus Österreich entschieden, die in Berlin noch gar nicht vertreten ist. „Und er schmeckt total toll, wir waren begeistert!“, so der Café-Inhaber. Im Getränkebereich ist „Wo man sich Zuhause fühlt“ zunächst voll am Experimentieren und Ausprobieren: „Wir arbeiten mit einem Start-Up-Unternehmen aus Hamburg, die haben bis jetzt 3 Getränke: Lavendel-Bergamotte, Gurke-Basilikum und Kamille-Honig“.

Nach den ersten zwei Wochen war auch schon das Lieblingsgericht der Café-Besucher*innen klar – der selbstgebackene Käsekuchen. Aber auch alle andere Kuchen waren so beliebt, dass das Café noch schnell die Unterstützung von der Portuguese Bakery aus Prenzlauer Berg holen musste. „Wir sind mit dem Kuchenbacken nicht hinterhergekommen, die erste Woche war der Wahnsinn“, erzählt Jennifer.

Über die Bäckerei aus der Dänenstraße sagt Sven: „Sie machen alles selbst, in hervorragender Qualität, von denen lassen wir uns beliefern, Brötchen und kleine Snacks. Das ist wieder so ein Punkt – keine industrielle Ware. Wenn wir was dazu kaufen, dann in dem Bereich, wo wir sagen, das können wir vertreten und mit gutem Gewissen verkaufen“.

Was die Auswahl an Gerichten und Getränken im Café angeht, ist das Team sehr flexibel und offen. „Es ist so, dass die Kunden zu uns mit Wünschen, mit Gedanken kommen. Und das ist das, was wir brauchen, um uns zu entwickeln“, erzählt Sven. Vor allem das, was die Nachbar*innen brauchen, will das neue Café anbieten.

So ist zum Beispiel das vegane Speiseangebot in der Gegend noch nicht richtig angenommen worden, ein Chia-Pudding von Sven wird nur selten bestellt. Auf eine Nachfrage zu veganen Gerichten von einer Besucherin reagierte der Café-Inhaber aber sehr offen: „Ich habe ihr über Chia-Pudding erzählt und sie hat sich gefreut, dass wir sowas machen. Und sie kommt morgen mit 3-4 Freundinnen vorbei und hat mir versichert: Sie isst Chia-Pudding.“

Treffpunkt der Nachbarschaft

Letztendlich geht es im „Wo man sich Zuhause fühlt“ nicht nur ums Essen, sondern auch um die gute Atmosphäre im Café. Dafür werden bereits Pläne geschmiedet. Eine Sommerterrasse oder auch flexiblere Öffnungszeiten, je nachdem, was dem Publikum besser passt. Auch die Ideen zu Events im Café gibt es bereits.

Die zukünftigen Events sollen sowohl für Kinder als auch für Erwachsene sein. Von Kinderschminken, Kinderyoga, Mal- und Erste-Hilfe-Kursen hin zu Lesungen in der Kooperation mit dem Buchladen an der Ecke – viele Ideen stehen im Raum. Dieses Veranstaltungsangebot wäre sehr wichtig fürs Café, um ein Treffpunkt der Nachbarschaft zu sein. „Wenn man stehen bleibt, ist es für die Leute langweilig. Das ist heutzutage so. Die Leute brauchen eine Anregung“, so Jennifer. Das Wir von Hier Team ist auch überzeugt: Ein gutes Café kann auch gleich um die Ecke sein und muss nicht immer 30 Minuten zu Fuß entfernt sein.


Wo man sich Zuhause fühlt

Heinrich-Böll-Straße 2

13156 Berlin


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