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Engagementgeschichten aus der Nachbarschaft

Nachbarschaft. Engagement. Arbeit. Diesen drei Themen widmet sich Sabine Wolf aus Berlin in ihrem Blog über gute Taten und die Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements in der Nachbarschaft. Von inspirierenden Erfahrungsberichten bis hin zu spannenden Vorstellungen von Projekten und Veranstaltungen ist auf der Seite für jede*n etwas dabei. Das Wir von Hier Team sprach mit Sabine über ihren Blog und der Idee dahinter.

Hallo Sabine, erzähl uns über deinen Blog. Worum geht es hauptsächlich darin und was waren deine Beweggründe, den Blog anzufangen?

In meinem Blog erzähle ich von Engagement- und Nachbarschaftsgeschichten.

Sabine Wolf

Engagement bewegt mich seit meinem ersten Tag als Freiwilligenkoordinatorin bei Friends of the Elderly in Dublin. Der Enthusiasmus der Freiwilligen, die Zusammenarbeit mit ihnen und die Freude der alten Menschen über die gemeinsame Zeit haben mich so beeindruckt, dass ich bis heute versuche, Menschen für ein Engagement zu begeistern. Beruflich, im Freundeskreis und seit meinem Umzug in eine Genossenschaftssiedlung an Berlins südlichem Stadtrand auch in meiner Nachbarschaft.

Obwohl die Siedlung unter dem Motto „Kommunikatives Wohnen“ steht, herrscht hier seit einigen Jahren schläfrige Vorstadtstimmung. Das beklagen viele, aber kaum eine*r tut etwas dagegen. Seit einem Sommerfest im letzten Jahr ist es aber wieder etwas ins Rollen gekommen. Indem ich in meinem Blog darüber berichte, was sich im Nachbarschaftsgarten, auf Sommerfesten oder beim Weihnachtsbasteln tut, hoffe ich, dass sich die älteren Nachbarinnen und Nachbarn wieder daran erinnern, warum sie hierher gezogen sind, und die neuen Lust darauf bekommen, sich aktiv in der Nachbarschaft einzubringen.

Welche Reaktionen hast du bis jetzt auf die Inhalte aus dem Blog erhalten? Konntest du schon jemanden begeistern, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Bisher durchweg sehr positive! Im beruflichen Umfeld fällt bezüglich des Blogs oft das Wort „authentisch“. Ich fasse das mal als Kompliment auf. Vor allem aus meiner Nachbarschaft kommen immer wieder sehr nette Rückmeldungen, manchmal auch mit einem Augenzwinkern versehen: „Oh, ich muss aufpassen, was ich sage, sonst steht es morgen in deinem Blog“. Letzte Woche hat mich meine Genossenschaft gefragt, ob sie einen meiner Beiträge in ihrer Mitgliederzeitung veröffentlichen darf: „Sie können mit Ihren Artikeln echt mitreißen.“ Das motiviert natürlich, weiterzumachen. Am meisten freue ich mich aber über den Satz, wegen dem ich den Blog überhaupt betreibe und den ich auch tatsächlich schon mehrfach hören und lesen durfte: „Jetzt habe ich richtig Lust bekommen, mich zu engagieren.“ Ich hoffe, er wird dann auch in die Tat umgesetzt, denn dann habe ich gleich neue Geschichten zu erzählen!

An welche Geschichte des persönlichen Engagements erinnerst du dich besonders? Gibt es eine Geschichte, die dich am stärksten beeinflusst hat? 

Am meisten hat mich mein erster Tag als Freiwilligenkoordinatorin in Dublin beeindruckt. Meine Koffer waren noch nicht ausgepackt, das Englisch noch ungewohnt auf der Zunge und ich mittendrin im Women´s Mini Marathon, einem Charity Run: 40.000 engagierte Frauen in pinken T-Shirts oder bunten Kostümen, die – jede in ihrer eigenen Geschwindigkeit, aber trotzdem gemeinsam – durch die Dubliner Innenstadt laufen, rennen und rollen, um gutgelaunt, aber durchaus ernsthaft für ihre Sache zu werben. Danach folgten fantastische 14 Monate in Irland mit vielen Menschen und Geschichten, die ganz wesentlich daran mitgewirkt haben, dass die Kommunikation rund ums Engagement so ein zentrales Thema in meinem Leben geworden ist.

Der Blick von Buckow über Britz nach Gropiusstadt (auf dem Bild links) und Britzer Kleingärten mit Blick zum Alexanderplatz (auf dem Bild rechts)

In welcher Nachbarschaft in Berlin gefällt es dir persönlich am besten und warum? Wo in Berlin bist du gerne unterwegs?

Das hat sich in den 18 Jahren, die ich bisher in Berlin gelebt habe, stets geändert. Wobei! Das stimmt nicht ganz! Ich bin zweimal umgezogen, habe in rauen, in mittlerweile sehr angesagten und in beschaulich-grünen Kiezen gewohnt, bin aber nie aus Neukölln rausgekommen. Genau das gefällt mir an Neukölln: Der Bezirk hat so viele unterschiedliche Ecken, ist im steten Wandel und ist so vielfältig, dass es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt.

Lass uns über das Engagement in der Nachbarschaft sprechen. Wie wichtig ist es dir, sich unmittelbar in der Nachbarschaft zu engagieren? 

Seit ich den Unterschied zwischen einem anonymen Mietshaus und meiner jetzigen, viel lebendigeren Nachbarschaft kenne, ist es mir sehr wichtig! Es sind vor allem die kleinen Dinge, die es für mich hier so viel lebenswerter machen: Wenn man schon einmal gemeinsam ein Beet umgegraben oder ein Fest organisiert hat, fällt es viel leichter, beim Nachbarn zu klingeln und um eine Zwiebel zu bitten, die noch für die Tomatensoße fehlt, oder die Nachbarin zu fragen, ob sie am nächsten Wochenende die Katze füttert. Außerdem lernt man Menschen und deren Interessen kennen, auf die man in seinem üblichen Umfeld vielleicht nicht stoßen würde, und das gleich nebenan. Das kann sehr spannend sein und den eigenen Horizont erweitern!

Nachbarschaftsgarten Ortolanweg

Wie kann man zum Beispiel in seiner Nachbarschaft aktiv werden?

In meiner Nachbarschaft haben bisher vor allem gemeinsames Feiern, gemeinsames Basteln und gemeinsames Gärtnern gut funktioniert. Vom 3-jährigen Nachbarsjungen bis hin zur Seniorin aus dem Nachbarhaus haben alle Generationen mitgemacht.

Was sind aus deiner Sicht die 3 wichtigsten Komponenten für eine lebendige Nachbarschaft?

  1. Miteinander reden. Vor allem nicht nur oder erst dann, wenn es etwas zu meckern gibt, sondern zwischendurch auch einmal nette Worte füreinander zu finden. Das kann auch erstmal ein freundliches „Hallo!“ am Briefkasten sein.
  2. Über den Tellerrand gucken. Nachbar*innen kann man sich nur bedingt aussuchen. Nicht immer ist man mit allen auf einer Wellenlänge. Für eine lebendige Nachbarschaft halte ich es aber für sehr wichtig, offen für andere Lebensentwürfe, Wünsche und Ziele zu sein.
  3. Aktiv werden. Wenn alle nur jammern und sich beklagen, dass nichts in der Nachbarschaft passiert, passiert natürlich auch in Zukunft nichts. Am besten einfach mal selbst mit einem kleinen Projekt anfangen, oft finden sich dann schnell ein, zwei Menschen, die mitmachen. Und dann dran bleiben, auch wenn es manchmal anstrengend ist, und darüber kommunizieren, damit auch andere davon erfahren und mitmachen können.

♥ Wir von Hier empfiehlt ♥ Engagementgeschichten von Sabine Wolf auf sabinewolf.de.

Welche Geschichten gibt es in deiner Nachbarschaft zu erzählen? Schreib uns an content@wirvonhier.de oder hinterlasse einen Kommentar auf unserem Blog.


Bildquellen: Alle Bilder © Sabine Wolf

 

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