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Nachhaltigkeit in der Nachbarschaft mit Fördegrün

Nachhaltig leben. Wie viele von uns denken darüber tatsächlich jeden Tag nach? Das Umweltbewusstsein in seinen Alltag zu integrieren ist allerdings gar nicht so schwer, wie man denken mag. Vom Einkauf der Lebensmittel aus der ökologischen Landwirtschaft hin zur Plastik-Vermeidung, gibt es eine Menge an Möglichkeiten, sich täglich für Nachhaltigkeit einzusetzen. Das Wir von Hier Team hat mit Sabrina Aust von Fördegrün, Nachhaltigkeitsbloggerin aus Kiel, gesprochen und erfahren, wie jede(r) im Alltag etwas Gutes für die Umwelt tun kann.

Warum Nachhaltigkeit?

Hallo Sabrina, wie ist Fördegrün entstanden und wer macht jetzt beim Blog mit? Was waren die Beweggründe, einen Blog zum Thema Nachhaltigkeit anzufangen?

Anfang 2014 wurde Fördegrün von mir und einer Kommilitonin ins Leben gerufen. Ich hatte vorher schon einen persönlichen Blog und eine Freundin wies mich darauf hin, dass ich die Nachhaltigkeitsthemen auf einen Themenblog auslagern könnte. Auf der Suche nach Mitwirkenden lernte ich Marie Kapust aus meinem Studiengang (Multimedia Production mit Schwerpunkt Journalismus) kennen. Wir wollten beide einen eigenen Ort zum Publizieren von Inhalten und da wir uns beide sehr für das Thema Nachhaltigkeit interessierten, schlossen wir uns zusammen. Später stieg Marie aus und mein Freund Sandro Böhm kam mit ins Team, er kümmert sich jetzt hauptsächlich um den Veranstaltungskalender.

Sabrina

Für mich persönlich gab es diesen einen besonderen Moment, in dem ich mich entschlossen habe, dass ich etwas für die Umwelt tun möchte. In einem Gespräch mit Freunden ging es um das Thema Gemeinwohl und dass der Mensch in seiner Lebensform der Natur eigentlich nur schadet. Ich wollte nicht zu denen gehören, die alles auf dieser Erde systematisch kaputt machen, ich wollte selbst Teil der Veränderung sein und andere durch meine Texte inspirieren, ebenso umweltfreundlicher zu handeln.

Wen und warum möchtest du mit Fördegrün erreichen?

Fördegrün richtet sich vor allem an Kieler, da lokale sowie regionale Akteure und Orte vorgestellt werden. Viele Posts sind aber auch allgemeiner und lassen sich in jeder Stadt in den Alltag integrieren, wie zum Beispiel Resteverwertung von Lebensmitteln, Tipps zur Abfallvermeidung oder DIY-Rezepte. Es geht mir vor allem darum, Menschen zu zeigen, dass es nicht kompliziert ist, auf die Natur zu achten.

Wie findest du Themen für den Blog und wie informierst du dich über bewussten Konsum und andere Nachhaltigkeitsthemen?

Die Themen für meinen Blog kommen aus meinem Alltag. Ich bin zwar schon seit 4 Jahren dabei, umweltfreundlicher zu handeln, habe aber auch noch genug offene Baustellen. Wenn ich Lösungen für Alltagsprobleme oder ein gutes Buch finde, poste ich es im Blog. Ich habe einige Facebook-Seiten abonniert, die mich über aktuelle Umweltthemen informieren, lese Zeitschriften wie enorm, Schrot & Korn oder das Greenpeace Magazin. Auch Videos und Dokumentationen über Umweltthemen interessieren mich sehr und geben Anstoß zu neuen Themen für Fördegrün.

Welche Tipps kannst du jemandem geben, der in die Thematik erst einsteigt und seinen Alltag nun nachhaltiger gestalten will? Wo fängt man an?

Mein Tipp an alle grünen Einsteiger ist: nicht alles auf einmal machen wollen. Das überfordert und demotiviert. Für mich stand am Anfang: verpackungsfreie und regionale Lebensmittel. Also einfach mal auf den Wochenmarkt gehen und sich einen Lieblingsgemüsestand aussuchen. Mich motiviert es noch heute ungemein, wenn ich zum Markt gehe und dort vertraute Gesichter sehe. Mit einem schönen Weidenkorb oder Baumwollbeutel lässt sich das Gemüse wunderbar transportieren. Auch das Thema Mobilität ist recht einfach: häufiger mal aufs Rad steigen! Gerade jetzt bei warmen Temperaturen macht das unheimlich viel Spaß.

Kräutersuppe – mmh, lecker!

Was sind aus deiner Perspektive die größten Schwierigkeiten, die jemand dabei haben könnte, sich für den umweltbewussten Lebensstil zu entscheiden?

Unsere Gesellschaft ist auf Konsum getrimmt und wird durch Werbung und Gruppenzwänge manipuliert. Das ist die Schwierigkeit, die jeder für sich selbst überwinden muss. Es geht nicht um das Immer-Mehr, Karriereleiter hochsteigen und in den nächsten Urlaub fliegen. Für viele ist es schwer, sich etwas Anderes vorzustellen, aber um langfristig umweltfreundlich zu leben, bedarf es ein Umdenken. Dabei geht es nicht um Verzicht, sondern darum, das Glück in sich selbst zu finden und nicht immer zu versuchen, Glück in Materiellem zu finden.

Einfache Anleitungen für mehr Nachhaltigkeit

In Fördergrün gibt es unter anderem unterschiedliche Anleitungen zum Selbermachen von Hygiene- und Kosmetikartikeln. Welche davon sind deiner Meinung nach am einfachsten? Gibt es darunter Hygiene- oder Kosmetikartikel, die ausschließlich aus regionalen Zutaten angefertigt werden?

Ich versuche auf Fördegrün nur einfache Anleitungen zu posten. Dabei sind mir wenige Zutaten und einfache Zubereitung wichtig. Wer Lust aufs Selbermachen hat, sollte anfangs nicht gleich verzweifeln, sondern auch Spaß am Ausprobieren haben. Es sind manchmal so einfache Sachen wie Apfelessig als Haarspülung oder Natron als Zahnputzmittel zu benutzen. Ich würde nicht sagen, dass die Zutaten dafür regional hergestellt wurden, aber sie lassen sich alle in Kiel verpackungsfrei oder in Glasbehältern kaufen.

Ringelblumensalbe (auf dem Foto links) und Kräuter-Seifenball (auf dem Foto rechts) zum Selbermachen.

In deinem Blog werden unter anderem Tipps zu den Bio-Einkaufsmöglichkeiten in Kiel gegeben. Was denkst du: Gibt es Nachbarschaften, in denen es schwieriger oder auch einfacher fällt, nachhaltig zu leben?

Auf dem Land ist es sicher schwieriger nachhaltig einzukaufen, da die Dichte an Einkaufsmöglichkeiten nicht so hoch ist. In der Stadt gibt es viele Läden und mehrmals die Woche kommen Bauern in die Stadt zum Verkauf ihrer Waren. Auf dem Land sind die Strecken weiter, auch hat nicht jede Stadt einen Unverpackt-Laden, was sich jedoch glücklicherweise gerade entwickelt.

Natur in Kiel und der Umgebung entdecken

Die Natur in der Nachbarschaft ist auch eines der Themen in Fördegrün. Wie entdeckst du die Umgebung von Kiel und welche Orte findest du dabei besonders spannend?

Ich habe das Glück, dass ich nicht auf Häuserwände starren muss, sondern beim Blick aus dem Küchenfenster auf einen kleinen Friedhof mit vielen Bäumen schaue. Mich zieht es immer wieder raus in die Natur, ich gehe barfuß in den Parks spazieren oder fahre mit dem Rad zum Tiergehege oder zum Bogenschießen. Ich mag Waldflächen am liebsten; die Atmosphäre und der Duft (die Terpene) in der Luft wirken so entspannend und es riecht einfach gut – ohne Abgase von Autos oder Schiffen.

Schöne Naturlandschaften in Kiel: Vieburger Gehölz (auf dem Foto links) und Tiergehege Hammer (auf dem Foto rechts)

Welches Buch zum Überblick über diverse Bereiche der Nachhaltigkeit im Alltag würdest du uns empfehlen?

Als Buchempfehlung würde ich „Zero Waste Home“ von Bea Johnson empfehlen, das ist wirklich sehr gut geschrieben und enthält enorm viele Tipps. Ansonsten habe ich letztes Jahr das E-Book „Tauschen und Teilen“ veröffentlicht, das ihr hier findet.


Bildnachweis: Alle Bilder © Sabrina Aust / Fördegrün


Willst du dich mit deinen Nachbarn zum Thema Nachhaltigkeit im Alltag austauschen? Auf Wir von Hier kannst du eine Gruppe gründen, in der du deine Tipps zum umweltbewussten Leben mit deinen Nachbarn teilen sowie selbst welche erfahren kannst. Eine Nachhaltigkeitsgruppe für deine Nachbarschaft ist dein „Nein!“ zu Plastikverschmutzung und „Ja“ zum umweltbewussten Konsum! 🙂

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