Entdecken

Training „in da hood“ aus Bremen

Hood Training ist da entstanden, wo die Stadt auch mal hart sein kann. Die Hood Training Standorte befinden sich im Bremer Stadtteil Tenever, drei Mal die Woche finden dort kostenlose Trainings für bildungs- und sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche statt. Jeden Tag machen über 100 Kinder und Jugendliche bei Hood Training mit und bekommen sowohl tatkräftige Unterstützung auf Augenhöhe als auch neue Impulse zur persönlichen Weiterentwicklung.

Das Projekt wurde 2010 von Daniel Magel ins Leben gerufen und gehört heute zu einem der Leitprojekte der Aktion Hilfe für Kinder. Mittlerweile besteht das Kernteam aus fünf Personen, die für die Projektkoordination zuständig sind, sowie aus fünf Hood Trainern. Das Team wächst allerdings ständig weiter. Hood Training zieht es auch außerhalb von Bremen – überall dorthin, wo insbesondere Kids und Jugendliche Hilfe brauchen. Ob durch Trainings selbst oder persönliche Gespräche währenddessen versucht das Hood Training Team, jungen Menschen neue langfristige Perspektiven aufzuzeigen.

Von der Straße für die Straßen

Ende Juni hat die Hood Mobil Tour auch einen Halt in Berlin-Marzahn beim Straßenkinder e.V. im Kinder- und Jugendhaus Bolle gemacht. Das Wir von Hier Team sprach vor Ort mit dem Projektleiter Daniel Magel über Hood Training und die Idee dahinter.

Daniel Magel © Hood Training

„Ich bin selbst aus Kasachstan und mit zwölf nach Deutschland gekommen. Wir hatten früher eine Reckstange im Garten und mein Vater hat immer trainiert. Deswegen kenne ich das [Anmerkung von Wir von Hier: Street Workout], seitdem ich mega klein bin“, erinnert sich Daniel. Nach dem Umzug nach Deutschland hat er an der eigenen Haut erlebt, wie schnell es auch schiefgehen kann, wenn man auf falsche Leute auf der Straße trifft: „Wenn man keine Beschäftigung hat, sich sportlich irgendwie nicht betätigt und keine Vorbilder hat, die mit einem vernünftig auf Augenhöhe reden, dann gerät man in die Kreise, die ziemlich böse Sachen machen“.

Als Antwort darauf ist bei Daniel bereits 2000 die Idee entstanden, Hood Training in seinem Stadtteil anzubieten. 2001 hat er zusammen mit anderen Jungs das erste Projekt unter dem Namen „Hood Work“ gestartet und neun Jahre später ist daraus Hood Training entstanden. „Ich habe auf Lehramt studiert, wollte aber nicht in der Schule arbeiten, sondern mein Ding machen, deswegen war ich motiviert, so durchzustarten“, verriet Daniel im Gespräch mit uns.

Hood Training ist nicht nur Sport, sondern auch Bildung. Nach oder während des Trainings entstehen Gespräche, wo auch geholfen wird. Die Trainings selbst beinhalten ein spezielles Programm: das Workout basiert auf der Sportart Calisthenics, aber auch Elemente des Abenteuer- und Erlebnissports sind dabei. Nicht zuletzt aus der Calisthenics-Szene kommt viel Unterstützung für das Projekt. „Wir sind eine Community, haben Veranstaltungen, Treffen, Jams und Festivals…“, erzählte uns Daniel.

Vom Boxen hin zu Brazilian Jiu-Jitsu hat der studierte Inklusionspädagoge schon unterschiedlichste Sportarten in seiner Freizeit ausprobiert. Calisthenics hat er auf der Straße mit den Jungs gelernt, beim gemeinsamen Training im Hof. Heute bringt Daniel Jugendlichen Calisthenics nach einem konkreten Plan, auf eine gesunde Art und Weise bei.

Der direkte Kontakt zu Kids und Jugendlichen ist sehr wichtig für Hood Training. Besuche in den Schulen, Teilnahme an Stadtevents, Postings in sozialen Netzwerken, Guerilla Werbung und Mundpropaganda… Ob auf Instagram oder in der Schule, Hood Training versucht Jugendliche da zu erreichen, wo sie auch die meiste Zeit verbringen.

Hood Training auf der Tour

Hood Training ist viel unterwegs, um Kinder und Jugendliche deutschlandweit zu erreichen. So lernten auch die Marzahner Kids Hood Training beim Training im Haus Bolle kennen. Mit einer mobilen Trainingsanlage können Hood Trainer ihr Programm vielerorts anbieten. Bei Events geht’s aber nicht nur um Sport, auch Musik ist immer dabei, coole Gigs und Tanzperformances sind häufig Teil des Hood Training Angebots. Generell ist alles dabei, was den Jugendlichen hilft, sich auszudrücken und ihnen Spaß macht.

Hood Training auf der Tour in Berlin-Marzahn

Von Jahr zu Jahr Anträge stellen, Netzwerk aufbauen, Herausforderungen überwinden… In all den Jahren hat das Hood Training Team bereits sehr viel gemacht, um mit dem Projekt da anzukommen, wo es gerade ist. In den Plänen sind allerdings noch mehr Standorte, auch eine eigene Halle wäre toll.

Inzwischen entstehen neue Kooperationen, nach neuen Hood Trainern wird ebenfalls gesucht. Der Fokus liegt dabei vor allem auf dem Teamaufbau in solchen Großstädten wie Frankfurt, Berlin, Hamburg und in der Metropolregion Rhein-Ruhr. Auf eigene Initiative kann jede(r) Hood Training auch in seine Stadt bringen. Was man dafür braucht? Eine Hood Trainer-Lizenz und vor allem die Motivation, in seinem Stadtteil aktiv zu werden.

Das Symbol von Hood Training ist ein Wohnblock, eben eine richtige Hood. Das soziale Projekt aus Bremen will auch da Perspektiven schaffen, wo es auf den ersten Blick kein Licht am Ende des Tunnels gibt. Einfach wichtig und einfach toll, finden wir. Willst du das Projekt unterstützen? Finde alle Infos und Kontaktmöglichkeiten unter www.hoodtraining.de.

Kennst du auch coole Nachbarschaftsprojekte aus deiner Nachbarschaft? Schreibe uns eine Mail an content@wirvonhier.de und erzähle über die Initiativen, die du besonders wichtig für deine Hood hältst.


Titelbild © Hood Training

Falls du noch nicht auf Wir von Hier bist, hier geht’s zur Anmeldung:

Registrieren