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Kleingarten – kleine Oase in der Stadt

910.000 Kleingärten gibt es in Deutschland laut dem Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. Insgesamt macht das 40.000 Hektar aus – eine Fläche so groß wie ca. 56.000 Fußballfelder. Was wächst denn so in einem Schrebergarten, wozu braucht es sie und wie sieht das Zusammenleben mit Nachbar*innen aus? Das Wir von Hier Team schaute sich in Berlin, der größten Kleingarten-Nachbarschaft Deutschlands um.

Mit 66.603 Kleingartenanlagen hat Berlin so viele Kleingärten wie kein anderes Bundesland. Die Großstädter sehnen sich besonders stark nach einer eigenen grünen Oase in der Metropole. So wird der Kleingarten nicht nur zum Anbau von Gemüse und Obst, sondern meistens vor allem zur Erholung genutzt. Während des heißen Sommers kann man sich dort gut entspannen und auch mal ein Barbecue oder eine Party schmeißen. 😉

Pflanzen und Freude: Die bunte Kleingarten-Landschaft

Die Landschaft der Kleingartenkolonien ist genauso bunt und vielfältig wie die Hobbygärtner selbst. Die Menschen unterschiedlicher Generationen, Berufe und Nationalitäten haben Kleingärten und stecken viel Zeit und Mühe hinein. Zwei Kleingärtnerinnen aus Berlin Lida und Chantal haben mit uns über ihre Lieblingsorte für den Sommer gesprochen – über ihre Kleingärten.

Die Hobbygärtnerin Lida

Lida

Interkultureller Garten: Im Gespräch mit der Hobbygärtnerin Lida

„Seit 4 Jahren haben wir diesen Kleingarten“, erzählt uns Lida. „Wir haben lange gesucht, im Kleingartenverein war es sehr teuer, aber dann habe ich zusammen mit meiner Schwester diese Anlage im Interkulturellen Garten neben unserem Zuhause gefunden“.

Der Interkulturelle Garten Marzahn e.V. liegt an der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg. Der Garten ist vor allem dafür gedacht, Menschen verschiedener Nationalitäten zusammenzubringen. In etwas mehr als 20 Kleingartenanlagen gärtnern Deutsche, Griechen, Russen und Vietnamesen.

Bereits vor mehreren Jahren kam Lida mit ihrer Familie als Russlanddeutsche nach Berlin. In Russland hatte sie auch eine Datscha, eine größere Kleingartenanlage außerhalb der Stadt. Ob es Unterschiede zwischen einer Datscha und einem Kleingarten gibt? Klar, meint Lida. Eine Datscha in Russland ist häufig mit sehr viel Arbeitsaufwand verbunden, da muss man richtig ackern, um dann auch viel Ernte zu erhalten. Ein Kleingarten in Deutschland ist dagegen eher für Erholung geeignet.

Genau für diesen Zweck nutzen Lida und ihre Schwester hauptsächlich den Kleingarten.

„Wenn wir jetzt noch einen Pool hätten, wäre es noch besser, dann bräuchte man gar nicht zum Meer fahren.“

Ein aufblasbarer Pool kann im Sommer im gewissen Sinne auch als Ersatz für das Meer dienen, wenn Kinder und Enkel zu Besuch kommen.

Ein Erholungsort: Im Gespräch mit der Hobbygärtnerin Chantal

Die Hobbygärtnerin Chantal

Chantal

Für Chantal ist der Garten ebenso überwiegend ein Erholungsort. Denn selbst die Arbeit im Garten macht der TU-Studentin irgendwie Spaß. Den Kleingarten nahe Jakob-Kaiser-Platz in Charlottenburg-Nord haben Chantal und ihre Familie von einem engen Freund der Familie vor ca. 1 Jahr übernommen.

„Wir wollten schon immer einen Garten haben, um etwas anzubauen, eine kleine Oase in der Stadt zu haben.“

Seit letztem Jahr pflegt Chantal vor allem zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Mutter den Garten. Apfel- und Kirschbäume, Pflaumen, Wallnuss- und Pfirsichbäume, Johannisbeeren und sogar einen Kiwibaum haben sie mittlerweile, aber auch Sträucher und Kräuter.

„Es ist natürlich viel Arbeit, die man am Anfang vielleicht unterschätzt“, meint Chantal. „Wir hatten früher so eine Teilfläche, wo das Unkraut wuchs. Da denkt man, man macht es mal weg, aber dann sprießt das wieder“. Solche Arbeit ist aber nichts Negatives, sondern im Gegenteil eine fröhliche Arbeit, durch die man den Kopf frei bekommt. Und am schönsten ist es natürlich, den Pflanzen beim Wachsen zuzuschauen.

Vielfältige Pflanzenwelt der Kleingärten

Im Lidas Garten wächst alles Mögliches: Erdbeeren und Knoblauch, Tomaten und Zucchini, Kirsch- und Apfelbäume, rote und schwarze Johannisbeeren, Himbeeren und Stachelbeeren. Und natürlich Blumen. Auch was Exotisches ist dabei: ein Zitronenbaum gewöhnt sich nun an das Marzahner Klima.

Der Garten bringt mit sich aber gewiss nicht nur viel Freude, sondern auch nicht wenig Arbeit. Hier hat jeder sowohl seine Vorlieben als auch Dinge, die er nicht so gern macht. „Lange hacken mag ich nicht“, meint Chantal. „Die Beete jäten mag ich am wenigsten. Aber zum Beispiel gießen und einpflanzen macht Spaß“, erzählte uns Lida.

Chantals Kleingarten in Charlottenburg-Nord (links) & Lidas Garten im Interkulturellen Garten Marzahn (rechts)

Aus all dem, was nicht aufgegessen wird, macht man Marmelade und sonstige Leckereien. Letztes Jahr machte Lida während der Saison jedes Wochenende ein Glas Marmelade aus Himbeeren und roten Johannisbeeren für ihre Familienmitglieder. Chantal und ihre Familie kochen aus Beeren häufig Marmelade oder frieren sie ein. Auch an Freunde und Nachbarn wird ab und zu was abgegeben.

Wer einen Kleingarten hat, kennt das: Es gibt nie zu viele Pflanzen. 🙂 Sowohl Chantal als auch Lida möchten zukünftig noch mehr Pflanzen in ihren Gärten anbauen. Für Lida sind das Gurken und Melonen. Chantal möchte gern eine richtig coole Kräuterecke machen, noch mehr Himbeersträucher und Heidelbeeren haben.

Nachbarn & Gemeinschaftsleben 

Die Verhältnisse zu den Nachbarn sind bei Kleingärtnern meist gut und warm. So feiert man zum Beispiel gern mal zusammen, hat aber auch gewisse Verpflichtungen innerhalb des Vereins. Im Interkulturellen Garten bei Lida hat jeder Kleingärtner pro Saison zwei Schichten, in denen er/sie das Gemeinschaftshaus und Toiletten saubermacht und nach dem Feierabend überprüft, ob alles abgeschlossen ist. Auch in der Kleingartenanlage von Chantal gibt es Gemeinschaftsarbeit für alle Mitglieder.

Im Kleingarten hat man Kontakt zu vielen Nachbarn, tauscht Pflanzen miteinander oder fragt nach einem Rat.

„Mit Nachbarn kommen wir gut zurecht. Wir haben Subbotniks, Tag der offenen Türen, Feier für Kinder und Erwachsene“, erzählt Lida

Im Gemeinschaftshaus können sogar gemeinsame Abendessen, Feiertage und Geburtstage veranstaltet werden. Besonders für Kinder gibt es eine Menge an Freizeitmöglichkeiten: Sprungmatten, Tischtennis, Fußball, Fahrräder und Rutschbahn.

Schaukel, Blumen und Johannisbeeren in Lidas Garten

In der Kleingartenanlage, in der Chantals Garten liegt, sind mehrere Kolonien nebeneinander. Die Wege zwischen den Gärten sind etwas verzweigt und immer wieder findet man beim Spazieren was Neues. Letztes Mal haben Chantal und ihre Mutter eine Tischtennisplatte entdeckt, obwohl sie gefühlt schon das ganze Leben durch die Gegend rumgelaufen sind und sie früher nie gesehen haben.

Wie findet man den passenden Kleingarten?

  • Man muss sich auf jeden Fall bei unterschiedlichen Kleingartenvereinen bewerben oder auch über Kleinanzeigen (probiere dafür Wir von Hier Marktplatz) versuchen, nach einem Kleingarten zu suchen.
  • Wenn die Entfernung für dich keine große Rolle spielt, lohnt es sich auch, sich außerhalb der Stadt umzuschauen. 50-70 km von Berlin entfernt findet man viel mehr freie Grundstücke, in der Stadt selbst kann aber die Suche häufig sehr lange dauern.
  • Als Tipp #1 für Kleingartenanfänger empfiehlt Chantal, sich zunächst mit Nachbarn auszutauschen. So erfährt man am schnellsten, was beim Pflanzenanbau beachtet werden sollte oder welcher Boden für bestimmte Pflanzen am passendsten ist. Für Chantal, die Technischen Umweltschutz studiert, war es am Anfang besonders spannend, ihre Theoriekenntnisse zur Bodenanalyse auch in der Praxis zu verwenden.
  • Auf Wir von Hier kannst du dich mit den Menschen aus deiner Umgebung austauschen, dir Tipps zum Thema Kleingarten holen oder eine Kleingartengruppe gründen
Entspannung & Rosen in Chantals Garten

„Den Kleingarten kann ich nur empfehlen, ist total cool, um die Nähe zur Natur zurückzubekommen, selber was zu machen (auch körperlich), den Kopf frei zu bekommen“, fasste Chantal ihre Eindrücke über Kleingarten zusammen. „Und man wird voll braun, obwohl man denkt, dass man halt nichts Besonderes gemacht hat“.


Auf Wir von Hier kannst du dich mit deinen Kleingarten-Nachbarn auch online vernetzen. So verpasst du keine News mehr aus deinem Kleingartenverein, wenn du zum Beispiel mal unterwegs bist oder nicht vor Ort sein kannst. Gründe dafür einfach eine Kleingarten-Gruppe und teile den Link mit deinen Nachbarn.

Bist du gespannt, eigene Einblicke in das Kleingartenleben zu gewinnen, hast aber noch keinen Kleingarten? Vielleicht sind ja auch Initiativen wie Garten.Werk.Stadt aus Anklam das Richtige für dich?

Hast du schon einen Kleingarten und willst mit uns deine Eindrücke teilen? Dann schreibe einen Kommentar unter diesem Beitrag oder eine Mail an support@wirvonhier.de. Wir freuen uns über deine Story!


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