Entdecken

Kiez-Anwohner im Kampf für den sauberen Akazienwald

Als Sebastian nach seinem Urlaub diesen Sommer zurückkam, fiel ihm plötzlich auf, wie schmutzig eigentlich der Park vor seiner Haustür ist. Vor diese Tatsache gestellt, dachte er nun: „Was kannst du machen?“ Die Lösung kam schnell: Einfach mal die längste Grillzange, den größten Müllbeutel und ein Paar Schutzhandschuhe geschnappt und angepackt. Machen. Irgendwie. Irgendwas. So startete er seine Aktion „Rettet den Akazienwald“ im Juli dieses Jahres.

Rettet den Akazienwald

Der Akazienwald liegt im Berliner Ortsteil Britz, direkt in der Hufeisensiedlung, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Bereits seit einiger Zeit findet man im Park überall Sperrmüll, Drogen und sonstigen Dreck. So muss das nicht sein, dachte Sebastian, jeden Tag nach dem Dienstschluss hat er seine private Aufräumaktion, bis die Sonne unterging, knallhart durchgezogen. Auch am Wochenende. Seine freiwillige Aktion fiel den anderen Kiez-Anwohner*innen gleich auf, konnte aber bis jetzt noch nicht so viele Mitdenker*innen gewinnen.

Neben dem Saubermachen im Park versucht Sebastian weiterhin, mit seiner Aktion möglichst viel Resonanz in der Öffentlichkeit zu bekommen. So erscheinen seine Berichte regelmäßig auf den Potalen der Berliner Woche, zu seinen Aktionstagen lädt er Kiez-Anwohner Medienvertreter*innen und Politiker*innen ein.

In der Hoffnung, mit „Rettet den Akazienwald“ was zu erreichen, hat Sebastian schon mehrere Einladungen mit Infos zu seinen Aktionstagen verschickt. „Vielleicht kommt der eine oder andere hierher und sagt ein paar ermutigende Worte“, hat er sich gedacht. „Und das ist auch passiert“, so der Aktivist.

Warum kümmert sich keiner um den Park?

„Ich weiß nicht“, sagt Sebastian nachdenklich. „Ich gehe davon aus, dass sich die Kiez-Anwohner sagen, das sind ja vielleicht andere, die für die Sauberhaltung des Parks zuständig sind“. Die Frage der Zuständigkeiten war auch für den Aktivisten am Anfang eine große Rechercheaufgabe. Vom Mitarbeiter im Bezirksamt hat Sebastian eine Karte bekommen, in der er markieren sollte, wo sich überall Drogenspritzen fanden. Nachdem er per Mail eine detaillierte Skizze geschickt hatte, kam nur ein „Dankeschön“ zurück, nichts weiteres. Beim Grünflächenamt erreichte der Kiez-Anwohner ebenso keinen, hat sich aber trotzdem entschieden, weiterzukämpfen.

Das Akazienwäldchen & Sebastian © Wir von Hier

„Das machen doch bestimmt die Anderen“, mit solchem Gedanken im Hinterkopf fühlt sich keiner für den Müll im Park oder woanders verantwortlich und so bleiben viele öffentliche Plätze vermüllt. Die Nachbarn aus der Hufeisensiedlung dachten zunächst, Sebastian sei von der BSR oder vom Bezirksamt. Einmal war er aus reinem Zufall komplett orange gekleidet, was vielleicht den Eindruck noch verstärkt hat. „Machen Sie weiter so“, kam als Reaktion auf seine Putzaktion im Park. Keiner von den Anwohner*innen hat sich allerdings getraut, beim Saubermachen mitzumachen. Nur ein paar Mal beim Baumwässern kam eine Nachbarin auf Sebastian zu und bot ihm seine Unterstützung an.

Dennoch erreicht man zusammen mit anderen Nachbarn mehr als alleine. Auch Sebastian ist der Meinung und informiert regelmäßig die Anwohner*innen mit Plakaten und Flugblättern über seine Aktion. Einige Tage nach der Plakatierung wurden seine Plakate von Unbekannten komplett heruntergerissen. Warum? Das fragt sich der Kiez-Anwohner selbst.

Schon wieder viel Müll im Akazienwäldchen… © Sebastian

Nichtsdestotrotz gibt der Nachbar aus der Hufeisensiedlung nicht auf. Wer macht es denn sonst, wenn nicht er? Das Müllproblem allgemein ist bei weitem nicht nur in Britz, sondern auch im ganzen Berlin präsent. Genau deshalb will Sebastian möglichst viele Leute auf das Problem aufmerksam machen. Und je mehr Fortschritt er sieht, desto mehr ist er am Ende auch in seiner Meinung bestärkt, sich weiter zu engagieren. Das Thema Umweltschutz ist enorm wichtig für den Aktivisten, in seinem Vorhaben wird er aber auch stark gerade von seiner Frau unterstützt.

Das größere Ziel hinter der Aktion „Rettet den Akazienwald“ ist, die Bezirksverordnetenversammlung im Rathaus Neukölln zu erreichen, auf das Vermüllungs- und Drogenproblem aufmerksam zu machen und somit Lösungen anzuregen. So stellte Sebastian am 17. Oktober 2018 seine private Aktion in der Anwohnerfragestunde während der öffentlichen Bezirksverordnetenversammlung vor.

Der Bezirksbürgermeister Martin Hikel befürwortete zwar die Aktion, teilte aber auch mit, dass die Forderung nach mehr Personaleinsatz aufgrund des festgelegten Stellenrahmens im Bezirksamt leider nicht umsetzbar ist. Für die Nachhaltigkeit und die Sauberkeit in der Nachbarschaft, so der Bezirksbürgermeister, soll in erster Rolle das Bewusstsein da sein, dass der öffentliche Raum eine gemeinsame Errungenschaft ist. Darauf müssen die Kiez-Anwohner*innen stolz sein und damit respektvoll umgehen können. Dieser Appell liegt Sebastian sehr am Herzen.

Tipps für deine Nachbarschaftsaktion

Willst du auch wie Sebastian eine Aktion in deiner Nachbarschaft starten? Das Wir von Hier Team hat die folgenden 3 Tipps von Sebastian bekommen:

  1. Überleg’ dir genau, was du mit seiner Aktion erreichen willst.
  2. Schau dich in deiner Nachbarschaft um, was würdest du gern anders haben?
  3. Versuch’s je nach deinen Kapazitäten mit deiner Aktion zu einem Ergebnis zu kommen.

Siehst du ein bestimmtes Problem in deinem Kiez, in deiner Nachbarschaft? Wir schließen uns Sebastian an: Nicht einfach meckern, sondern auch was tun! Das Wir von Hier Team freut sich, dich mit Tipps und/oder auch auf andere Art und Weise zu unterstützen. Schreib uns per E-Mail an content@wirvonhier.de und erzähl uns deine Geschichte.


Wir von Hier Tipp ♥ Auf Wir von Hier kannst du ein Event, ein lokales Projekt oder eine Gruppe für deine Nachbarschaftsinitiative gründen und so Gleichgesinnte für deine Aktion finden.

Falls du noch nicht auf Wir von Hier bist, hier geht’s zur Anmeldung:

Registrieren

Titelbild: © Sebastian