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Street Art: Kunst im urbanen Chaos

Street Art. Die Kunst im öffentlichen Raum ist einfach spannend. Jeden Tag entdecken wir beim entspannten Schlendern durch die Stadt ein neues Street Art Werk. Aber was genau ist denn eigentlich Street Art? Ist es eher gleich Urban Art oder Graffiti? Das Wir von Hier Team hat sich auf eine Entdeckungsreise begeben und einen kleinen Exkurs in das abwechslungsreiche Street Art Universum für euch vorbereitet.

Von Graffiti zu Street Art

Denkt man an Street Art, verwechselt man das häufig mit Graffiti. Noch Ende der 1960er Jahre in Philadelphia wurden Signatur-Graffitis, die sowohl auf Buchstaben als auch auf Namen beruhen, auf die Wände gesprüht. So ist Graffiti zu einem festen Bestandteil der urbanen Kultur geworden.

Wir sehen klassische Signatur-Graffitis überall auf den Straßen, verstehen aber ihre Bedeutung häufig nicht. Das Graffiti-Writing (auch Lettering genannt) ist wegen seiner Verbreitung prinzipiell jedem zugänglich. Seine Autoren sind allerdings nicht daran interessiert, mit der Allgemeinheit zu kommunizieren.

Das Tag ist die früheste und einfachste Form des Graffiti. Ein Tag ist schnell auf die Wand gesprüht und erfüllt seinen Zweck – den Namen des Writers in der urbanen Landschaft festzuhalten. Wer Tags kennt, kennt auch Throw-Ups. Denn das sind prinzipiell dieselben Tags im sogenannten „Bubblestyle“. Sowohl über Tags als auch über Throw-Ups ärgern sich viele Stadtbewohner häufig, dagegen lösen Pieces eher Bewunderung aus. Große und stilistisch anspruchsvolle Arbeiten sind wie Wandgemälden, die sich entweder auf einer Mauer oder einem Zug befinden.

Throw-Ups in Halle an der Saale (auf dem Bild links). Graffiti von der 1UP Sprayer-Gruppe aus Berlin (auf dem Bild rechts).

Street Art kann zwar Teil von Graffiti sein, muss es aber nicht. Street Art ist meist nicht kommerziell angebrachte Kunst im öffentlichen Raum und wird einerseits als eine Entwicklung und Ergänzung der etablierten Tradition der Signatur-Graffiti und andererseits als eine Art Rebellion dagegen betrachtet. Hier kommen die unterschiedlichen Techniken und Stile ins Spiel, die am meisten verbreiteten sind Schablonen, Logos und figürliche Darstellungen. Als Oberbegriff für Street Art, Graffiti und andere Formen der Kunst im öffentlichen Raum fungiert heute oft der Begriff Urban Art. In der Alltagskommunikation wird aber zwischen Street Art, Urban Art, Public Art und Graffiti häufig kaum unterschieden.

Street Art – eine Stadtangelegenheit?

Street Art ist meist in Großstädten, besonders in den gentrifizierten Stadtteilen zu finden. In den Trendvierteln, wo junges hippes Publikum wohnt, trifft man viel wahrscheinlicher auf Street Art  als irgendwo auf dem Land. In Deutschland gilt vor allem Berlin als das Street Art Zentrum, aber auch in den anderen großen Städten wie Hamburg und Köln können Interessierte jeden Tag tolle Street Art Werke bewundern.

Street Art ist vielfältig – genauso wie ihre Techniken.

Der Großteil der Street Art Werke wird in der Stadt illegal angebracht. Wird Street Art dadurch ein Beispiel für Vandalismus? Diese Frage mag sich der eine oder andere Passant beim Anschauen von besprühten Wänden in der Stadt schon mal gestellt haben. Die simple Differenzierung zwischen Kunst und Vandalismus reicht allerdings nicht aus. Die bemalten, besprühten oder beklebten Gegenstände werden im Falle Street Art in ihren Funktionen nicht wirklich beschädigt. Ob Street Art eine Sachbeschädigung ist, bleibt nach wie vor umstritten. Im Paragraph 303 des Strafgesetzbuchs heißt es aber: „Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“.

Street Art hängt mit dem Protest gegen die offizielle Bildsprache und Provokation eng zusammen, denn das Schaffen von Kunst auf Straße ist an sich schon ein Akt des Widerstandes, so Anna Waclawek in ihrem Buch „Graffiti und Street Art“. Wozu ist Street Art aber da? Nach Waclawek wenden sich die meisten Street Art Künstler an die breite Bevölkerung und nicht an eine bestimmte Gruppe und versuchen dadurch in einen Dialog mit ihrer Umgebung zu treten.

Street Art entsteht allerdings nicht immer alleine aus dem künstlerischen Willen, sondern kann auch von oben gesponsert werden. Zwar ist die legal angebrachte Street Art (wie zum Beispiel einige Murals) eine andere Form im Vergleich zu illegal verbreiteten Postern oder Stickern im öffentlichen Raum, ihre Aussage verliert dadurch allerdings nicht an Bedeutung.

Street Art und Nachbarschaft

Welches Wirkungspotential hat Street Art, kann sie in der Nachbarschaft etwas verändern? Eine wirkliche Verbesserung der Lebenssituation darf man von Street Art wohl nicht erwarten. Street Art ist vor allem dafür da, die Anbringung von Meinungen im öffentlichen Raum möglich zu machen und mit der Stadt bzw. mit der Stadtbevölkerung zu kommunizieren. Was für Reaktionen bekommen Street Art Künstler auf ihre Werke? Das ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich, und manches Street Art Werk kann in der Stadt sogar völlig unbemerkt bleiben.

Murals gehören zur Urban Art und sind aus der Berliner Stadtlandschaft nicht mehr wegzudenken.

Welche Urban Art Formen können denn nun zur lebendigen Nachbarschaft beitragen?

Urban Intervention ist zum Beispiel so eine Kunstform, die viel Potential für die Nachbarschaft hat. Die Urban Interventions sind ein Wechselspiel zwischen Kunst, Architektur, Performance, Installation und Aktivismus. Die mit Decken bedeckten Parklücken, Schaukeln an Haltestellen oder modifizierte Straßenschilder und Müllbecher lösen Bewunderung, Ärger oder Neugier aus. Genau das ist das Ziel der Künstler. Mit Urban Interventions möchten sie ihre Umgebung verändern bzw. die lokale Community beeinflussen.

Guerilla-Knitting

Guerilla-Knitting ist ebenso eine spannende Kunstform im öffentlichen Raum. Die Gründerin der Graffiti-Stricker-Crew „Knitta Please“ Magda Sayeg wollte ein stoffliches Element in die Street-Art-Szene einführen und dadurch dem urbanen Dschungel ein Gefühl von Wärme verleihen. So verpackt die Künstlerin gewöhnliche Objekte des öffentlichen Raums wie Fahrradständer oder Parkuhren in gestrickte Hüllen und versucht dadurch die Härte des Stadtlebens zu reduzieren.


Die Street Art Welt ist unglaublich spannend und jeden Tag entsteht irgendwo in der Stadt ein neues Kunstwerk… So ist auch unser Beitrag nur eine kurze Einführung in das Thema, vielleicht schreiben wir bald mal darüber auf unserem Blog?

Zunächst aber eine Frage an dich: Welche Street Art hast du in deiner Nachbarschaft bereits gesehen? Erzähle uns darüber in den Kommentaren oder schicke uns Fotos mit Street Art aus deiner Umgebung an content@wirvonhier.de. Wir freuen uns! 😉


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